Der Artemistempel in Ephesos:

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Doch als ich dann endlich Artemis` Tempel erblickt,
der in die Wolken sich hebt, blaßte das andre dahin.
Ich sagte: "Hat Helios` Auge außer dem hohen Olymp
je etwas Gleiches gesehen?"
Antipatros von Sidon |
Auf der Suche nach neuen Siedlungsmöglichkeiten gegen Ende des 2. Jahrtausends v.u.Z., gründeten die Ionier gegenüber der Insel Samos die Stadt Ephesos. Im Laufe der Zeit wurde Ephesos bald eine der bedeutendsten Städte der Alten Welt. An einem abgelegenen Platz, an der Mündung des Kaystros, befand sich in einer Einfriedung ein heiliger Baum mit der Statue einer altasiatischen Naturgottheit. Die Siedler übernahmen diesen Kult, setzen die Gottheit aber mit Artemis gleich. Sie begannen einen Tempel zu bauen, da Artemis Tochter des Zeus und Zwillingsschwester des Apoll war.
In die Baugrube
wurden zunächst angekohlte Eichenstämme gerammt, darauf
folgte ein Fundament aus Felsgestein, das bis zum Erdboden
aufgefüllt wurde. Darüber errichtete man den Tempel, 51
m breit und 105 m lang, mit 127 Marmorsäulen von je 18 m
Höhe, das entspricht in etwa einem sechsstöckigen Haus.
Die Decken und der Dachstuhl waren aus Zedernholz, die
Flügeltüren zur
Cella aus Zypressenholz und mit Gold
verziert.
In der Cella befand sich das über 2 m hohe Standbild der Artemis, aus Weinrebholz gefertigt und mit Silber und Gold verkleidet. Im Jahre 356 v.u.Z. wurde der Tempel durch Herostratos niedergebrannt, der durch diese Tat in die Geschichte eingehen und seinen Namen unvergessen machen wollte, was ja auch funktioniert hat. Unter den Überresten des Tempels, fanden die Epheser die nahezu unversehrte Statue der Artemis, welches als Zeichen und Wunder gewertet wurde, den Tempel noch größer, schöner und prächtiger wieder zu errichten.
Aus ganz Griechenland trafen Spenden
für den neuen Tempel ein und man begann sofort mit dem
Neubau, der durch den Architekten Cheirokrates geleitet wurde.
Auf dem alten Fundament wurde ein neues errichtet, diesmal mit
den Maßen 65 m x 125 m, die Architektur glich aber
weitgehend dem ursprünglichen Tempel. Von 127 Säulen
trugen 36 auf dem unteren Teil übermannshohe Friese, auf
denen die Taten griechischer Götter und Helden dargestellt
waren. Der neue Tempel war nun 2 m höher, da auf die alte
Schuttschicht noch ein 2 m hoher Fußboden aufgelegt wurde,
die Decke war diesmal aus massivem Stein, um einen zweiten
Anschlag zu verhindern. Auch der neue Tempel wurde wieder zu
einem religiösen und geschäftlichen Zentrum
Griechenlands und er war die größte und wichtigste
Bank am Platze.
Im Jahre 133 v.u.Z. fiel Ephesos an Rom und nannte sich fortan
Ephesus, Hauptstadt der neuen römischen Provinz Asia. Drei
weitere Jahrhunderte blieb das Artemision Zentrum des
religiösen, geistigen und wirtschaftlichen Lebens, bis zur
Plünderung durch durchziehende Goten (262 u.Z.). 118
Jahre später verlor es, mit dem Übertritt zum
Christentum unter Kaiser Theodosius, endgültig seine
Bedeutung und wurde nur noch als Steinbruch genutzt. Wer immer
Baumaterial benötigte konnte sich hier bedienen.