Der Sonntag - im Lauf der Geschichte


Schon in der Urkirche versammeln sich die Christen und Christinnen am Sonntag (vermutlich am Abend), um mit dem Mahl des Herrn den Auferstehungstag Jesu zu feiern (vgl. Apostelgeschichte 20,7). Justinus, ein frühchristlicher Philosoph und Märtyrer (+ 167) schreibt: "Am Sonntag kommen wir alle zusammen, weil ... Jesus Christus, unser Erlöser an diesem Tage von den Toten auferstanden ist." Der wöchentliche "Tag des Herrn" ist Wurzel und Vorbild für alle späteren christlichen Feste und Feiertage. Aus Freude über die Auferstehung wird in der frühen Kirche am Sonntag nie gefastet und beim Gottesdienst nicht gekniet, sondern nur stehend gebetet.   Herz des Sonntags: die Feier der Eucharistie

Im römischen Reich ist der Sonntag zunächst kein Ruhetag. Christliche Männer und Frauen müssen ihre Arbeit unterbrechen, um am Gottesdienst teilnehmen zu können. In Verfolgungszeiten bezahlen viele von ihnen ihre Treue zum Sonntagsgottesdienst sogar mit dem Leben. Erst Kaiser Konstantin erlaubt das Christentum und ordnet im Jahr 321 eine weitgehende Sonntagsruhe an: Jegliche Arbeit, die Feldarbeit ausgenommen, wird verboten; mit Ausnahme der Sklavenfreilassung dürfen keine Gerichtshandlungen stattfinden; für christliche Soldaten wird der Sonntagsgottesdienst zur Pflicht, für heidnische Soldaten werden eigene zumutbare Gebetsfeiern gehalten.

Im Laufe der Zeit gleicht sich der Sonntag (1. Tag der Woche) äußerlich immer stärker dem jüdischen Ruhetag, dem Sabbat (7. Tag der Woche) an. Das Judentum feiert am Sabbat die Vollendung der ersten Schöpfung, Christen und Christinnen feiern am Sonntag den Beginn der neuen Schöpfung: "Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden." (2 Korinther 5,17) Dieses Neue bringen Menschen, die an Jesus Christus glauben, durch die Feier des Sonntags auch öffentlich zum Ausdruck.

Die Sonntagsruhe wird zu einer tragenden Säule christlicher Kultur. Auch die Reformation hat den Sonntag als christlichen Feiertag beibehalten. In Österreich ist die Sonntagsruhe durch das Gesetz vom 16.11.1895 (mit Modifizierungen aus späteren Jahren) unter Berücksichtigung von Versorger- und Verbraucherinteressen geregelt. Ein Detail am Rande: Die Sowjetunion schaffte den Sonntag zunächst aus wirtschaftlichen Überlegungen ab, führte ihn aber 1940 für alle genossenschaftlichen und gesellschaftlichen Betriebe wieder ein. Er behielt in Russland auch immer seinen christlichen Namen "woskresnje" (=Tag der Auferstehung).

Sonntag und Feiertage - Hirtenwort der österreischischen Bischöfe

Andere Wortmeldungen zum Thema "Sonntag":

Aus dem Katechismus der katholischen Kirche:


Quellnachweis: Glaubensinformation von Karl Veitschegger