Osterbräuche - Jesus eine
Henne?
Ostern, Pessach, Palmzweige, Osterlamm, Ratschen, Osterei, Fleischweihe, Osterhase, Henne,
Küken.
| Das deutsche Wort
"Ostern" Die Fastenzeit ist vorüber. Die Sehnsucht nach dem Frühling, nach Sonne, nach Wärme und nach Vogelgesang ist übergroß. Niemand weiß genau, woher unser Wort "Ostern" kommt. Vielleicht vom gallo-fränkischen Wort austro (Morgenrot), was an den Gottesdienst am Ostermorgen erinnern könnte. Der Sprachwissenschaftler Alfred Bammesberger (Eichstätt) leitet es vom alten germanischen aus-tra (= mit/bei dem Schöpfen von Wasser) her und sieht darin eine Beziehung zur christlichen Tauffeier in der Osternacht. Früher wurde auch oft behauptet, Ostern sei nach dem Frühlingsfest einer germanischen Frühlingsgöttin Ostara benannt. Ein Irrtum, der auf den englischen Mönch Beda Venerabilis (+ 735) zurückgeht. Bisher konnte weder für ein germanisches Frühlingsfest noch für die Verehrung einer Ostara ein historischer Nachweis erbracht werden. Auf jeden Fall ist Ostern ein christliches Fest,
das bei den Juden "Passah" heißt. Von Goethe (Faust
I) stammt der berühmte Osterspaziergang: »Vom Eise befreit
sind Strom und Bäche ... « Jüdische
Wurzel |
Jesus selbst vergleicht sich mit einer Henne (Mt 23,37) |
Jesus und
Ostern
Zur Zeit eines Pessach-Festes (vermutlich am
14. Nisan/7. April im Jahre 30 n. Chr.) wurde Jesus in Jerusalem gekreuzigt und,
wie seine ersten Jüngerinnen und Jünger bezeugen, "von den Toten
auferweckt ". Die christliche Theologie bezeichnet Tod und Auferstehung Jesu
deshalb als "Paschamysterium" (mysterium paschale). Im Lateinischen und
in den meisten lebenden Sprachen wird der Name für das christliche Osterfest dem
aramäischen Wort Pas:cha nachgebildet. (Aramäisch war die Muttersprache
Jesu.)
Palmbuschen
Am
Palmsonntag (Sonntag vor Ostern) feiert die katholische Kirche, dass Jesus, auf
dem Rücken einer Eselin reitend, als "Friedenskönig" in die Stadt Jerusalem
eingezogen ist. Damals - so erzählt die Bibel - jubelten ihm viele Menschen zu.
"Sie nahmen Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen:
Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!
"(Johannes 12,13) In Erinnerung daran wird die Palmweihe vollzogen. In
Jerusalem, in Rom und in südlichen Ländern werden Palmzweige und Olivenzweige
gesegnet, in nördlichen Ländern müssen "Palmkätzchen" (Weidenkätzchen),
"Segenbaum" (Buchsbaum) und andere Zweige als würdiger Ersatz dienen. Die
geweihten Zweige gelten als Segenszeichen für Haus und Felder.
Osterlamm
Seit Jahrtausenden ist das Schaf
Symbol des Lebens. Es gibt Speise und Trank (Milch, Käse, Fleisch),
Kleidung, Boden (Teppich) und Dach (Zelt), es liefert Material für die
Herstellung von Trommeln, Horn- und Saiteninstrumenten und "garantiert" als
Opfertier gute Beziehungen zur Gottheit.
Im Volk
Israel war (bis zur Zerstörung des Tempels 70 n. Chr.) das Lamm eine
wichtige Opfergabe. Mit dem Jobel, dem Widderhorn, wurde zu großen
Festen geblasen (von daher kommen unsere Worte Jubel und
Jubiläum), und zum Pessach-Fest aß man im Familienkreis
ein Lamm in Erinnerung an die Befreiung des Volkes aus der Sklaverei in Ägypten
(vgl. Exodus 12,1-13,16). Beim Propheten Jesaja (53,7) wird das Lamm auch zum
Symbol für den "leidenden Gottesknecht".
Im Neuen
Testament wird Jesus selbst von Johannes dem Täufer "Lamm
Gottes" (Johannes 1,29 u. 36) genannt. Petrus (vgl. 1 Petrus 1,19)
und Paulus (vgl. 1 Korinther 5,7) sehen in Jesus das wahre Paschalamm
(Osterlamm). Sie wollen damit sagen: Jesus Christus ist für alle, die an ihn
glauben, zum Inbegriff des Lebens geworden: Speise und Trank, Boden und Dach,
Geborgenheit und Festesfreude, Freiheit und Versöhnung mit Gott.
Auch das
letzte Buch der Bibel greift die Lamm-Symbolik noch einmal auf: Am Ende der
Zeiten wird die "Hochzeit des Lammes" stattfinden, wenn Christus die erlöste
Menschheit als seine "glückliche Braut" heimgeführt (vgl. Offenbarung 19,9). Die
scheinbare Niederlage des Gekreuzigten - so der Sinn dieses Hoffnungsbildes -
wird sich am Ende als großer Sieg erweisen, weil die Liebe letztlich stärker ist
als Gewalt und Tod. Gott wird zum ewigen Osterfest laden.
Ratschen
Das
Ratschen (lautes Knattern mit einem Holzinstrument) ersetzt von der
Gründonnerstagsmesse bis zur Osternacht das Glockengeläut ("Die Glocken fliegen
nach Rom und kommen erst zu Ostern zurück") . In Kapellen an der Mürz
(Steiermark, Österreich) wurde in den 50-er und 60-er Jahren von den
Ratschenbuben folgendes Ratschenlied gesungen:
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Osterei
"Wenn
die Christen keine roten Eier mehr machen, geht die Welt unter!", heißt ein
Spruch in Rumänien. Schon Jesus sieht im Ei, wie eines seiner Gleichnisworte
bezeugt (Lukas 11,11f), eine gute Gabe. Der Brauch, am Osterfest Eier zu segnen,
geht nachweislich bis ins 4. Jahrhundert zurück. Er ist kein germanischer,
sondern ein christlicher Brauch. Er war in der ganzen alten Christenheit von
Mesopotamien bis nach Spanien in Übung. Das Ei, schon in vorchristlicher Zeit
ein Symbol für das erwachende Leben, wurde von den Christen als Sinnbild für die
Auferstehung Jesu besonders geschätzt: Wie das Küken die Schale durchbricht, so
kommt Jesus lebend aus dem Felsengrab.
Da in der Fastenzeit auf tierische
Speisen verzichtet wurde, war das Ei, das man später auch bemalte (ova rubra
= rote Eier) und verzierte, ein ersehntes Ostergeschenk. In manchen Gegenden
galten Ostereier (und Hasen) auch als Zahlungsmittel (Zins, Pacht ...).
Eine
Legende bringt das Ei sogar mit der
Leidensgeschichte Jesu in Verbindung:
Maria Magdalena soll einen römischen
Wachsoldaten mit einem Ei bestochen haben, um das Haus des Pilatus
betreten und am Prozess Jesu teilnehmen zu können.
"Fleischweihe"
Die Segnung der Osterspeisen, volkstümlich
"Fleischweihe" genannt, gehört in vielen Orten Österreichs zu den bestbesuchten
Gottesdiensten im Jahreslauf. In der Steiermark nehmen daran rund 200.000
Menschen teil. Osterbrot (süßes Weißbrot, in manchen Gegenden in Form eines
Kipfels), Schinken, Ostereier, Salz und Kräuter werden am Karsamstag in die
Kirche, zu einer Kapelle oder einem Bildstock gebracht, wo sie nach einem
Wortgottesdienst von einem Diener/einer Dienerin der Kirche gesegnet werden. Die
Osterspeisensegnung ist der fröhliche Abschluss der Fastenzeit, erinnert an die
Mähler, die Jesus mit den Menschen hielt, ermuntert zum Lob Gottes und fördert
Gemeinschaft und Gastfreundschaft.
Osterhase
Die Herkunft des Osterhasen ist ungeklärt. Schriftlich erwähnt wird er
das erste Mal um 1682. Vielleicht ist er eine unverstandene Umbildung aus dem
Osterlamm (vgl. F. Kluge, Etymologisches Wörterbuch, 21. Aufl. 1975, 526). Es
ist allerdings bereits auf einem Sakramentarblatt zur Osterliturgie aus dem 12.
Jahrhundert die Initiale D mit einem Hasen geschmückt (Handschrift in der
Bayrischen Staatsbibliothek München).
Da der Hase keine Augenlider hat und
"mit offenen Augen schläft", sehen manche in ihm auch ein Gleichnis für
Christus, der, von den Toten auferstanden, nie mehr "entschläft", sondern über
die Seinen wacht. Manchmal will man im Hasen wegen seiner Fruchtbarkeit ein
Symbol des unzerstörbaren Lebens und damit einen Hinweis auf die Auferstehung
sehen. (Eigentlich zeichnet sich das Kaninchen und nicht der Feldhase
durch extreme Fruchtbarkeit aus.) Kirchenvater Ambrosius von Mailand (339 -397)
sah im Schneehasen, der seine Fellfarbe wechselt, ein Symbol für Verwandlung und
Auferstehung. Andere altchristliche Texte vergleichen den Gläubigen, der bei
Christus Zuflucht sucht, mit einem gejagten Hasen, der sich in den Bergen in
Sicherheit bringt. In Byzanz soll der Hase ein Symbol für Christus gewesen
sein.
Henne,
Küken
Hennen und Küken sind wohl wegen ihrer Beziehung zum Ei
in das Osterbrauchtum geraten. Es lässt sich allerdings unschwer auch ein Bezug
zu Jesus Christus herstellen, wie ein Mosaik in der Kirche "Dominus flevit" am
Ölberg beweist (siehe Seitenanfang!). Die Bibel überliefert ein Wort, in dem
Jesus sich selbst mit einer Henne vergleicht: "Jerusalem, Jerusalem, du
tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft
wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre
Flügel nimmt, aber ihr habt nicht gewollt." (Matthäus 23,37; Lukas
13,3f).
Quellnachweis: Glaubensinformation von Karl Veitschegger