Wer ist Jesus von Nazaret?
Eine Märchengestalt? Ein skurriler
Wunderrabbi? Der Messias? Gottes Sohn? Was ist das Besondere an
ihm?
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Märchenfigur? Wunderrabbi? |
Verwegene
Botschaft?
Nicht seine Wunder, seine
Botschaft hält Jesus für besonders wichtig und einmalig. Dafür weiß er sich
gesendet, dafür lebt er und dafür ist er auch bereit zu sterben. Die Wunder
sollen sein Anliegen "nur" verdeutlichen und bis in das Körperliche hinein
spürbar machen. Die Botschaft, um die es Jesus dabei geht, lässt sich kurz so
wiedergeben:
Eins mit Gott?"Das Reich Gottes ist nahe!" (Markus 1,15) Das heißt: Gott setzt sich mit seiner Liebe gegen alle dunklen Mächte durch! Keine Schuld ist ihm zu groß und keine Krankheit zu mächtig. Seine Liebe entmachtet sogar den Tod. Gott darf "Abba" (zärtlich liebender Vater) genannt werden. Bei ihm ist jeder Mensch gefragt, auch der letzte und schäbigste. Gott sucht ihn und will sich mit ihm verbünden - endgültig, jetzt, durch MICH! Nützt die Chance! Wenn ich Prostituierte und Zöllner an meinen Tisch rufe, lädt Gott selbst ein. Wenn ich heile, heilt Gott. Wenn ich Sünden vergebe, verzeiht Gott. Wenn ich zur Feindesliebe aufrufe, dann ist das Gottes Wille. Prägnant wird im Johannes-Evangelium der hohe Anspruch Jesu zusammengefasst."Ich und der Vater sind eins!" (10,30)
Bitteres
Ende?
Kein Wunder, dass man ihn für einen Gotteslästerer
hält (vgl. Markus 2,7; Johannes 10,33) und schließlich seinen Tod will. Doch
Jesus beibt seinem Auftrag treu. Und seine Jünger? Als sie sehen, dass ihm der
Prozess gemacht wird, werden sie feige und laufen davon. Zu gut kennen sie die
damals geltende Überzeugung: "Wer am Kreuz endet, ist ein von Gott Verfluchter!"
Ihr Meister kann demnach nur ein Betrüger, bestenfalls ein frommer Narr
sein.
Überraschung!
Aber dann geschieht etwas
Überraschendes. Sehr bald nach dem Tod Jesu machen die verängstigten Jünger und
Jüngerinnen eine umstürzende Erfahrung. Anfangs wagen sie gar nicht, mit Fremden
darüber zu reden. Zu verrückt klingt die Sache. Nach 50 Tagen - so erzählt Lukas
in seiner Apostelgeschichte - tun sie es doch: "Dieser Jesus, der gekreuzigt
worden ist, lebt! Er ist auferstanden!" Sein Tod war nicht sinnlos. Das heißt:
Gott hat Jesus nicht verflucht und verlassen, sondern ist mit dem Gekreuzigten
in die letzten Abgründe des Menschseins "hinabgestiegen": in die Verworfenheit,
die Ohnmacht, die Angst, die Sünde, den Tod. Gott "durchleidet" und "durchliebt"
in Jesus alle Dunkelheiten seiner Geschöpfe, um ihnen Licht und Leben zu
bringen. In Jesus zeigt Gott sein wahres Gesicht.
Immer
klarer
Den Jüngern und Jüngerinnen wird immer klarer: Im
Gekreuzigten und Auferstandenen treffen die Menschen auf die Liebe Gottes, die
auch die Dunkelheiten ihres Lebens mitleidet und in ein
"Osterfest" verwandeln kann. Als Juden und Jüdinnen nennen sie
Jesus deshalb Messias (= griechisch Christus) - das ist der
jüdische Name für den erwarteten Bringer des Heiles - , aber auch Sohn
Gottes, Wort Gottes, Bild Gottes. Ja noch kühner, sie sagen zu ihm:
"Mein Herr und mein Gott!" (Johannes 20,28). So rufen fromme Juden nur
Jahwe-Gott an. Die Jüngerinnen und Jünger sind überzeugt: Unser Jesus gehört
untrennbar zu Jahwe-Gott; er ist aus Gott nicht mehr wegzudenken; er gehört zum
Wesen Gottes. In Jesus zeigt Gott sein wahres Gesicht. Er ist Gottes Herz -
offen für alle Menschen.
Noch
immer
Seit den Tagen der Apostel ist die Rede von diesem
Jesus nie mehr verstummt. Bis heute ist sein Geist vielfältig am Werk,
innerhalb und außerhalb der christlichen Kirchen. Und unzählige Menschen finden
in ihm das, was sie brauchen, um sinnvoll leben, lieben und sterben zu
können.
Quellnachweis: Glaubensinformation von Karl Veitschegger