Heiligenverehrung
aus der Sicht eines katholischen
Christen
| Die Katholischen
... "Die Katholischen beten die Heiligen an!" Dieser alte protestantische Vorwurf hält sich hartnäckig und findet sich sogar noch auf modernen Internetseiten. Begründet wird er meist so: Katholische Christen verehren die Heiligen, stellen in ihren Kirchen Bilder auf und verrichten Gebete davor. Diese Praxis ähnle der heidnischen Vielgötterei und sei eine Missachtung der Einzigkeit Gottes. Ein ziemlich starker Vorwurf, der aus katholischer Sicht auf argen Missverständnissen beruht. Was ist Anbetung? Was
ist Verehrung? Das Evangelium ist nicht
nur Papier |
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Mit den Heiligen
kommunizieren?
"Nun gut" , werden manche
evangelische Mitchristen sagen, "Heilige mögen ehrenwerte Vorbilder sein, aber
darf man sie um Hilfe anrufen? Das geht doch zu weit!" Um das zu klären, fängt
man am besten schlicht bei der Bibel an. Klar bezeugt sie, dass ein gläubiger
Mensch seine Glaubensgeschwister um ihr Gebet bitten darf. So schreibt Paulus an
die Christen von Rom: "Ich bitte euch, meine Brüder, im Namen Jesu Christi,
unseres Herrn, und bei der Liebe des Geistes: Steht mir bei, und betet für mich
zu Gott ...!" (Römer 15,30). Umgekehrt betet Paulus oft für seine Gemeinden.
Fürbitte gehört zum Wesen christlicher Liebe. Wir dürfen daraus schließen, dass
auch der Tod dieses Für-andere-da-Sein nicht zerstören kann. Denn: "Die Liebe
hört niemals auf!" (1 Korinther 13,8). Die in die Ewigkeit Vorausgegangenen
bleiben wirklich Liebende, die weiterhin für ihre bedrängten Brüder und
Schwestern auf Erden da sein wollen - nicht aus eigener Kraft, aber
fürbittend.
Zur großen Gemeinschaft Gottes gehören nicht nur die
Gläubigen, die noch auf Erden leben, sondern - wie der Hebräerbrief es etwas
ungewohnt ausdrückt - auch "die Geister der schon vollendeten Gerechten"
(Hebräer 12,23) im Himmel. Da eine Gemeinschaft ohne Kommunikation keine
Gemeinschaft wäre, muss zwischen uns und diesen "Gerechten" im Himmel auch
irgendeine Kommunikation möglich sein.
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Vulgärlateinische Kritzelei aus
der Zeit um 250 nach Christus in S. Sebastiano, Rom. Die zwei Apostel Roms
werden von Gläubigen um ihre Fürsprache gebeten: "Paule ed Petre petite pro Victore" - "Paulus und Petrus, bittet für Viktor!" |
Schon
früh
Im Gebetsschatz der Bibel werden die Engel manchmal direkt
angeredet (z.B. in Psalm 29,1f: "Ihr Himmlischen, ...werft euch nieder vor dem
Herrn!"). Warum soll man sich dann nicht auch direkt an die Heiligen im Himmel
wenden dürfen? Alte Graffiti bezeugen jedenfalls, dass die Christen schon sehr
früh mit großer Selbstverständlichkeit die Apostel und Märtyrer um ihre Fürbitte
anrufen. Sie bedienen sich dabei nicht skurriler spiritistischer Praktiken -
solche lehnen sie auf Grund des Alten Testamentes (vgl. Deuteronomium 18,10-12)
strikt ab -, sondern ganz schlichter Worte und Gedanken. Und sie sind gewiss,
dass die Heiligen ihnen nahe sind, sie hören und verstehen können, weil Gottes
Geist dies möglich macht.
Konkurrenz für
Christus?
"Wird da die zentrale Stellung Christi nicht
geschmälert? Er ist doch der einzige Mittler zu Gott!", fragt der Protestant
vielleicht besorgt weiter. Katholische und orthodoxe Christen/Christinnen sehen
darin meist kein wirkliches Problem. Für sie ist klar: Christus ist der wahre
Weinstock, die Gläubigen auf Erden und die Heiligen im Himmel sind allesamt nur
Reben an diesem großen Weinstock. Ein wunderbares Miteinander und Füreinander
in Christus. Alles, was wir Menschen in Liebe füreinander tun und
erbitten können, geschieht immer mit Christus, in
Christus und durch Christus. Niemals neben oder außer
Christus! "Denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun." (Johannes 15,5)
In diesem Sinn kann das bewusste Hinschauen auf die Heiligen die einzigartige
Mittlerschaft Christi (das "solus Christus") gar nie schmälern, sondern legt
vielmhr dafür Zeugnis ab, wie lebendig und fruchtbar der eine Weinstock
Christus in seinen verschiedenen Reben ist.
Nicht
verpflichtend
Die katholische Kirche verpflichtet ihre Gläubigen
nicht zur Heiligenverehrung. Sie weiß auch um bedenkliche Auswüchse und warnt
vor Missbräuchen. Aber Missbräuche heben den rechten Gebrauch nicht auf. (Man
wird ja auch die Bibel nicht abschaffen, nur weil sie oft missbraucht worden
ist.) So hat die katholische Kirche auf dem Konzil von Trient (1545-1563) trotz
massiver protestantischer Kritik, die in vielem auch heilsam war, an der
altchristlichen Praxis festgehalten und erklärt, dass es "gut und nützlich" sei,
die Heiligen "anzurufen, um von Gott Wohltaten zu erlangen durch seinen Sohn
Jesus Christus, unsern Herrn, der allein unser Erlöser und Heiland
ist." (H. Denzinger, Enchirideon symbolorum, Nr.1821)
Quellnachweis: Glaubensinformation von Karl Veitschegger