Unsere Bibel - mehr als ein Buch!
Kurzeinführung in die Heilige Schrift


Die Bibel ist eine Bibliothek
Unsere Bibel ist kein Einzelbuch, sondern sie enthält zwei Buchsammlungen: die 46 Schriften des Alten (oder: Ersten) Testamentes (vor Jesus verfasst) und die 27 Schriften des Neuen Testamentes (nach Jesus verfasst).
Das heutige Judentum und die protestantischen Kirchen zählen allerdings sieben Spätschriften des Alten Testamentes nicht zur Bibel: Tobit, Judit, 1 und 2 Makkabäer, Weisheit, Jesus Sirach, Baruch.
Das Verzeichnis der von der Kirche anerkannten biblischen Schriften heißt Kanon (= Maßstab).

... gewachsen in 1000 Jahren
Das Alte Testament ist nicht vom Himmel gefallen, sondern innerhalb eines Jahrtausends im Volk Israel entstanden. Es ist der schriftliche Niederschlag der Glaubensgeschichte dieses Volkes:

  • Am Anfang steht die mündliche Weitergabe von Glaubenserfahrungen im Volk Israel: Erzählungen über den Auszug aus Ägypten unter Mose, Erzählungen über die Stammväter: Abraham, Isaak, Jakob etc.
  • Kurze Texte entstehen: Lieder (z. B. Deborah-Lied in Richter 5,1-31) Gesetzestexte, ...
  • Schriftsteller schreiben längere Abschnitte nieder, andere sammeln sie zu "Büchern" (Schriftrollen), bearbeiten sie, reihen um, kürzen oder erweitern usw.
  • Schließlich wird festgelegt, was zur Heiligen Schrift gehören soll (Kanon = Maßstab). 

Auch die Entstehung des Neuen Testamentes ist ein lebendiger Prozess:

 

... in drei antiken Sprachen geschrieben
Das Alte Testament wurde fast zur Gänze in Hebräisch verfasst. Einiges ist nur in aramäischer und griechischer Sprache überliefert. Das Neue Testament ist zur Gänze in Griechisch (zur Zeit Jesu die Weltsprache im Mittelmeerraum) verfasst.

... eine recht bunte Sammlung
Die Texte der Bibel sind sehr verschiedenartig. Wir finden in der Bibel: Erzählungen, Lieder, Sagen, Gebete, Berichte, Gesetze, Legenden, Gleichnisse, Weisheitssprüche, Liebeslieder und viele andere "literarische Gattungen". Bei der Interpretation der Texte ist auf ihre Eigenart und Aussageabsicht besonders zu achten.

... mit einem gemeinsamen Anliegen
Jede Schrift des Alten Testamentes bezeugt auf ihre Weise die zentrale Glaubenserfahrung des Volkes Israel: Der "Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs" ist ein treuer, den Menschen zugewandter, helfender und befreiender Gott.
Im Neuen Testament wird uns bezeugt, dass dieser Gott sich in Jesus von Nazaret endgültig und unüberbietbar auf die Seite der Menschen gestellt hat. Jesus ist die Mensch gewordene Liebe Gottes, die Angst, Schuld und Tod grundsätzlich überwindet. Gott will, "dass alle Menschen gerettet werden" (1 Timotheus 2,4). Der Auftrag Jesu kann so zusammengefasst werden: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und zwar in Fülle!" (Johannes 10,10)

... begründet Gemeinschaft
Die gesamte Bibel ist maßgebliche "Ur-Kunde" unseres christlichen Glaubens und der christlichen Glaubensgemeinschaft (= Kirche). Der erste und der letzte Satz der Bibel zeigen den Horizont unseres Glaubens: "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde ..." (Gen 1,1) Und: "Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!" (Offb 22,21).

... und ist Gottes Wort
Die Bibel ist von Gott inspiriert (= von Gottes Geist angeregt und beseelt), aber nicht von Gott diktiert (wie das z. B. Muslime vom Koran annehmen). Gott spricht durch menschliche "Schriftsteller" (und ihre zeitbedingte Ausdrucksweise) zu uns. Die Bibel ist Gotteswort im Menschenwort.
Als Christinnen und Christen glauben wir, dass Gott sich in diesen Schriften den Menschen offenbart und dass wir durch sie einen Zugang haben zum Geheimnis Gottes und dadurch zum Sinn unseres Lebens. Letztlich geht es nicht um ein interessantes literarisches Werk, sondern um die Begegnung mit dem lebendigen Gott. Denn: "Wer die Schrift kennt, kennt Gottes Herz." (Papst Gregor der Große, gest. 604)

So verstehen wir die Bibel besser:

Folgende Fragen können hilfreich sein, wenn man sich allein oder in einer Gruppe mit einer Bibelstelle auseinandersetzt:


Quellnachweis: Glaubensinformation von Karl Veitschegger