Asien: Borobodur, Java

Borobodur

Hofastrologen hatten die Aufgabe die Stelle im Königreich Shailendra zu finden, an der die männliche Sonne in die weibliche Erde eindringt. Nach unzähligen Horoskopen, Berechnungen und Besichtigungen stand fest, das dieser Ort sich auf einer kuppelförmigen Anhöhe in der Zentralregion Javas befindet. Damit war Mitte des 8. Jahrhunderts der richtige Platz zum Nachbau des mythischen Berges Meru gefunden, um den nach hinduistischem Glauben die ganze Welt kreist.

10.000 Arbeiter waren 80 Jahre lang damit beschäftigt, den Hügel mit einer neunstufigen Tempelanlage zu überbauen, wobei 56.640 m³ behauener Steine mörtellos übereinander geschichtet wurden. Dann war der ursprüngliche Berg vollkommen unter dem künstlichen verschwunden.

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Die Gestaltung des Heiligtums wurde aber bald mehr vom Buddhismus als vom Hinduismus beeinflusst. Im Jahre 830 fertiggestellt bekam es den Namen Borobodur (viele Buddhas), da hunderte Buddhadarstellungen die neun Terrassen, in Form von Bronzestatuen und Steinskulpturen, säumen. Für die Pilger erschien der Tempelberg als religiöses Wunder. Beim Umwandern der 9 Stockwerke, durchquerte man die "3 Stufen des Seins", die von der irdischen in die geistige Welt führten. Vorbei an tausenden Reliefbildern, mit Szenen aus dem Leben Buddhas, führte der Weg bis zu den drei höchsten Plattformen des Tempels mit 72 Stupas, kleinen glockenförmigen Türmen, die jede einen steinernen Buddha enthielt. An der höchsten Stelle befand sich die größte Stupa, als einzige völlig leer, das Sinnbild der absoluten Ruhe, der Erleuchtung, des Nirwana. 
Bis Mitte des 10. Jahrhunderts blieb Borobodur die bedeutendste buddhistische Pilgerstätte des indonesischen Inselreiches. 

Danach verlagerte sich das Glaubenszentrum nach Ostjava, wo der Buddhismus zu neuer Blüte gelangt.
Beim Ausbruch des Vulkans Merapi, 1006, wurde Borobodur schwer beschädigt, der Dschungel begann das Heiligtum zu überwuchern.

Der Tempel fiel in einen jahr hundertelangen Dornröschen-
schlaf, der erst 1814 durch den britischen Gouverneur Sir Thomas Stamford Raffles beendet wurde, der wissen wollte was die behauenen Steine hinter den Ranken zu bedeuten hätten.
In den folgenden Jahrzehnten wurden Teile von Borobodur freigelegt, doch erst ab 1907 wurde mit systematischen Restaurierungsarbeiten unter dem Holländer Theodor van Erp begonnen. 

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Derzeit erfolgte auch eine gründliche fotografische Dokumentation der Anlage,
diese half Borobodur in unserem Jahrhundert wieder so herzustellen, wie es einmal war.
Wie vor 1000 Jahren wird der Tempel wieder von Pilgern umrundet.
Wem es gelingt, einen Arm in eine der rhombenförmigen Öffnungen zu stecken
und den dort befindlichen Buddha mit den Fingern zu berühren, den erwartet nach dem Glauben der Wallfahrer großes Glück.


Erklärung:

Stupa
[der; Sanskrit]
Ursprünglich ein halbkugelförmiger Grabhügel, entwickelte er sich zum buddhistischen und dschinistisches Reliquienmal.
Später dann allgemein buddhistisches Kultdenkmal in Höhlentempel oder als Freibau.

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